Der gedopte Opa

Gleich bei mir in der Nachbarschaft wohnt ein alter Opa. Wie die meisten alten Filipinos leidet er unter Alterszucker, Arthritis und was weiß ich nicht alles. Wann immer ich mit dem Moped oder Fahrrad zur Hauptstraße will, muß ich an ihm vorbei.

Der alte Mann liegt schon seit 3 Jahren jeden Tag in einer kleinen offenen Hütte mit Strohdach. Aufstehen tut er nur zum Pinkeln (an der nächsten Palme), zum Essen und abends um ins Haus und ins Bett zu gehen.

Letztes Jahr irgendwann erzählte mir meine Frau das es dem Opa schlecht gehe, ihm sei schwindelig und er klagt über allgemeines Unwohlsein. Da er mit seiner kleinen Rente von gerade mal 3000,- Peso die einzige Einnahmequelle einer vierköpfigen Familie ist, wollte man ihm etwas Gutes tun und brachte ihn zur Untersuchung ins 25 km entfernte Tagbilaran ins Krankenhaus. Der Arzt dort machte einen kurzen Checkup und verschrieb ihm Tabletten, von denen er jeden Tag 4 Stück schlucken sollte.

Bereits am nächsten Tag erzählte mir meine Frau das es ihm immer schlechter ging. Er wollte nicht mehr Essen und jammerte in den Tag. Einen weiteren Tag später konnte er schon nicht mehr aufstehen und mußte in Windeln geleget werden und am 3. Tag seiner Odysse verdrehte er er die Augen, konnte nicht mehr sprechen und erkannte seine eigenen Leute nicht mehr. Meine Frau berichtete mir in Abschnitten von jeweils ein paar Stunden vom neusten Zustand des Opas. Schließlich spielte man mit dem Gadanken ihn nochmal ins Krankenhaus zu bringen aber dafür fehlte wohl das Geld und er schien auch nicht mehr wirklich transportfähig zu sein.

Ich machte schließlich den Vorschlag den alten Doktor aus dem Nachbarort Loon zu konsultieren, mit dem ich im vorigen Jahr gute Erfahrung wegen meines Knies gemacht hatte, der könnte doch vielleicht vorbeikommen und so bräuchte man nicht mit dem Alten in die Stadt. Inzwischen waren schon die anderen Kinder aus anderen Provinzen gekommen, wohl um Abschied zu nehmen und seine Frau bat um Vergebung für alle Sünden die sie im Leben begangen hatte.

Der Doktor kam am nächsten Morgen und sah sich den Alten an. Ganz beiläufig kam der Hinweis auf den vorangegangenen Arzbesuch im Krankenhaus und Dr. Miranda ließ sich die Tabletten zeigen, die man dem alten Mann verschrieben hatte. Vier Stück am Tag????? Um Gottes Willen! Man solle ihm nur noch eine pro Tag geben, dann würde es ihm sicher bald besser gehen. Sprach’s und verschwand wieder.

Der Alte war tatsächlich von den Tabletten auf ’nen Trip geschickt worden! Schon in der folgenden Nacht, die Familie konnte nicht schlafen und man unterhielt sich aufgeregt im Haus bis in die frühen Morgenstunden, meldete sich der Opa morgens um Drei: „Man möge doch bitte etwas leiser sein, er wolle schlafen! – Allgemeine Erleichterung und Erheiterung über die plötzliche Rückmeldung. Heute feiert der Opa seinen 77. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch.

Tabletten werden auf den Philippinen oft als Stückware aus dem großen Topf verkauft. Beipackzettel mit Gebrauchsanleitung und Nebenwirkungen sind da Fehlanzeige.

2 Kommentare zu "Der gedopte Opa"

  1. erich krammer | 12. April, 2007 um 16:29 |

    In Thailand ist es ähnlich, da bekommt man Sackweise
    Pillen die man in German Oder Austria nur mit Waffenschein bekommt

  2. Ja und ich finde das ist auch gut so. Den „Waffenschein“ sollten sie auch in Deutschland abschaffen. Dann würden die Medikamente vielleicht erschwinglicher und die Kassen könnten aufhören zu jammern.

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